Aktuelles

Pullach - 17.11.2017

Pullach und München wollen bei Geothermie kooperieren

Pullach/München – Die Innovative Energie für Pullach (IEP) und die Stadtwerke München (SWM) haben eine Absichtserklärung zur Kooperation beim Austausch von Fernwärme und bei der weiteren Erschließung von Geothermie unterzeichnet. Unter anderem wollen die beiden Pioniere der geothermischen Wärmeversorgung ihre Wärmenetze verbinden und eine gemeinsame Gesellschaft zur Aufsuchung von Thermalwasser südlich von Pullach gründen.

Im Beisein der Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund trafen sich IEP-Geschäftsführer Helmut Mangold und der technische Geschäftsführer der SWM, Helge-Uve Braun, um die künftige Zusammenarbeit in Form eines „letter of intent“ auf den Weg zu bringen. Die Kooperation soll auf zwei wichtigen Feldern stattfinden und dort für beide Partner interessante Synergien liefern, wie die Unterzeichner erklärten.

Verbund der Fernwärmenetze

Auf dem Gebiet der Wärmeversorgung wollen IEP und SWM in naher Zukunft ihre bestehenden Wärmenetze verbinden und damit die Möglichkeit schaffen, Fernwärme auszutauschen. Die IEP kann dadurch sowohl im Sommer als auch im Winter Wärme an die SWM liefern und somit im Jahresdurchschnitt etwa das Doppelte der derzeit erzeugten Menge absetzen. Durch die im Frühjahr 2011 erfolgreich durchgeführte dritte Geothermiebohrung und die damit erfolgte Kapazitätserweiterung ist sowohl ein weiterer Ausbau der Pullacher Wärmeversorgung als auch eine Wärmelieferung an den Partner möglich.

„Für die Stadtwerke München bedeutet diese Zusammenarbeit einen weiteren Schritt hin zu unserem Ziel, München bis 2040 zur ersten deutschen Großstadt zu machen, in der Fernwärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen wird“, so Helge-Uve Braun von den SWM. Die IEP kann durch den Zusammenschluss der Wärmenetze hingegen Redundanzwärme aus dem Netz der SWM beziehen – etwa bei notwendigen Wartungsarbeiten an der eigenen Anlage – und somit mittelfristig möglicherweise ganz auf die Unterstützung durch fossile Energieträger beim Betrieb der Geothermieanlage verzichten. „Neben dem ökologischen Effekt würde das die Wirtschaftlichkeit der Pullacher Geothermie weiter verbessern“, sagte IEP-Geschäftsführer Helmut Mangold, „ein klassischer Fall von Synergie.“

Gemeinsame Suche nach Geothermiequellen

Das zweite Feld der beabsichtigten Kooperation betrifft die gemeinsame Suche nach Thermalwasservorkommen südlich von Pullach und deren spätere Erschließung. Wie berichtet, führen IEP und SWM Anfang 2018 zusammen mit der Erdwärme Grünwald (EWG) südlich der Gemeinden Pullach und Grünwald ein seismisches Untersuchungsprogramm durch, das die Lage und Fördermöglichkeiten weiterer Thermalwasserquellen untersuchen soll. Wird ein solches Gebiet gefunden, könnten weitere Bohrungen durchgeführt werden.

Da Thermalwasser pro 100 Meter zusätzlicher Tiefe um rund drei Grad heißer wird und die Vorkommen südlich von Pullach deutlich tiefer liegen als unter dem Stadtgebiet München, rechnet man im zu untersuchenden Gebiet mit Fördertemperaturen von über 120 Grad – im Gegensatz zu rund 90 Grad in München. „Bei vergleichbaren Bohrkosten würde diese Temperaturdifferenz rund die doppelte Energieausbeute einer Bohrung in München liefern und die Partner damit auf dem Weg zur Energiewende weiter voranbringen“, so Helge-Uve Braun, „noch dazu mit einer sehr guten Wirtschaftlichkeit.“ Ökonomische Vorteile sieht auch Helmut Mangold für die IEP: „Neben der steigenden Versorgungssicherheit durch weitere Bohrungen würden diese auch den Betrieb unserer Geothermieanlage noch wirtschaftlicher machen und die Investition der Gemeinde über Generationen hinweg absichern.“

Sowohl Mangold als auch Braun betonten, dass die angestrebte Kooperation grundsätzlich auch anderen Kommunen offenstünde. „Der Klimawandel ist grenzenlos, also sollten auch die Anstrengungen für den Klimaschutz grenzenlos sein“, so Mangold. „Die interkommunale Zusammenarbeit im Raum München bietet sich durch die Vielzahl der Projekte und der Entwicklungsmöglichkeiten sowie das mittlerweile reichlich vorhandene Knowhow geradezu an.“